Lärmempfindlichkeitsstufe (ES I bis IV): Darf ich bauen, und unter welchen Bedingungen?
Die Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) wird jeder Nutzungszone zugewiesen und legt die einzuhaltenden Lärm-Grenzwerte fest (Lärmschutz-Verordnung LSV). Je tiefer die Stufe, desto stärker geschützt die Zone.
Die vier Stufen
- ES I — besonders schützenswerte Zonen (Kur, Spital, Erholung). Sehr streng.
- ES II — reine Wohnzonen. Keine störenden Betriebe.
- ES III — Mischzonen (Wohnen + mässig störende Betriebe) und Landwirtschaftszonen.
- ES IV — Industrie- und Gewerbezonen. Am lärmtolerantesten.
Was das für Ihr Vorhaben bedeutet
Kauf — eine Parzelle in ES III/IV nahe einer Strasse oder Bahn kann lärmbelastet sein; prüfen Sie, ob die Grenzwerte überschritten sind.
Wohnbau — bei Überschreitung der Immissionsgrenzwerte kann die Baubewilligung Massnahmen verlangen (Schallschutz, Raumanordnung) oder empfindliche Räume an belasteten Fassaden ausschliessen (Art. 22 und 31 LSV).
Finanzierung — starke Lärmbelastung beeinflusst Miet- und Wiederverkaufswert; Banken berücksichtigen dies.
Was bedeuten die Empfindlichkeitsstufen ES I bis ES IV?
Die Lärmschutz-Verordnung ordnet jeder Nutzungszone eine Empfindlichkeitsstufe zu. Sie bestimmt, wie viel Lärm dort zulässig ist — und damit, wie stark ein Neubau gegen Lärm geschützt werden muss.
- ES I — Zonen mit erhöhtem Lärmschutzbedürfnis, etwa Erholungszonen.
- ES II — Zonen ohne störende Betriebe, typischerweise reine Wohnzonen.
- ES III — Zonen mit mässig störenden Betrieben: gemischte Wohn- und Gewerbezonen.
- ES IV — Zonen mit stark störenden Betrieben, in der Regel Industriezonen.
Je höher die Stufe, desto mehr Lärm ist zulässig — und desto anspruchsvoller wird Wohnnutzung an dieser Lage.
Wo finde ich die Empfindlichkeitsstufe meines Grundstücks?
Die Stufe ist ein ÖREB-Thema und steht im amtlichen ÖREB-Auszug des Grundstücks, mit dem prozentualen Anteil, falls mehrere Stufen dasselbe Grundstück betreffen. Sie ist der zuverlässigste Hinweis darauf, ob für ein Wohnprojekt verstärkter Schallschutz oder ein Lärmgutachten nötig wird.
Kanton für Kanton
Eine Lärmempfindlichkeitsstufe ist 823'665 ha in 1'203 Gemeinden zugewiesen: ES I 42 ha, ES II 123'362 ha, ES III 684'723 ha, ES IV 15'539 ha. 513'179 ha sind ohne zugewiesene Stufe kartiert.
| Kanton | Gemeinden | Fläche (ha) | ES I | ES II | ES III | ES IV |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Graubünden | 82 | 118'968 | 0 | 1'290 | 117'550 | 129 |
| St. Gallen | 74 | 118'019 | 0 | 47'689 | 65'799 | 4'531 |
| Luzern | 79 | 106'164 | 0 | 5'850 | 99'130 | 1'184 |
| Zürich | 160 | 102'262 | 1 | 16'307 | 84'078 | 1'876 |
| Neuenburg | 24 | 62'963 | 11 | 2'231 | 60'207 | 514 |
| Uri | 19 | 55'266 | 0 | 527 | 53'946 | 793 |
| Thurgau | 80 | 44'344 | 6 | 3'565 | 39'759 | 1'014 |
| Aargau | 196 | 42'302 | 4 | 10'729 | 29'140 | 2'429 |
| Schwyz | 30 | 42'120 | 0 | 1'954 | 39'820 | 346 |
| Solothurn | 104 | 38'818 | 0 | 4'836 | 33'284 | 698 |
| Basel-Landschaft | 86 | 23'456 | 0 | 5'265 | 17'914 | 277 |
| Bern | 163 | 19'197 | 0 | 18'231 | 68 | 898 |
| Appenzell AR | 20 | 15'847 | 0 | 751 | 15'036 | 60 |
| Schaffhausen | 26 | 14'484 | 18 | 1'398 | 12'731 | 336 |
| Zug | 11 | 8'691 | 0 | 1'183 | 7'401 | 106 |
| Appenzell IR | 5 | 8'150 | 0 | 229 | 7'917 | 4 |
| Basel-Stadt | 3 | 2'608 | 1 | 1'328 | 937 | 342 |
| Jura | 10 | 6 | 0 | 0 | 6 | 0 |
| Obwalden | 4 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Tessin | 4 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Waadt | 8 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Glarus | 3 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Nidwalden | 6 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Wallis | 6 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Keine frei zugänglichen Daten für: Freiburg, Genf.
Die am stärksten betroffenen Gemeinden
- Davos (GR) — 14'208 ha
- Kandersteg (BE) — 13'437 ha
- Val-de-Travers (NE) — 12'274 ha
- Valsot (GR) — 11'488 ha
- Val-de-Ruz (NE) — 10'044 ha
- Arosa (GR) — 10'035 ha
- Pontresina (GR) — 9'094 ha
- Silenen (UR) — 9'077 ha
Von den Kantonen auf geodienste.ch geliefert, Stand 14.08.2026; Bauzonen: Bauzonenstatistik des Bundes (ARE). Massstab Gemeinde: für eine Parzelle ist allein der amtliche Auszug des Kantons massgebend.
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